Biografie & Anfänge
Eine Einleitung meiner Anfangsjahre mit Fotos, Anekdoten und Beschreibungen dazu. Späteres findet sich dann unter den einzelnen Register-Bereichen oben fortgesetzt - Lebenskunst & Künstlerleben, Downunder & Photography...usw.
Die ersten 21 Jahre und ihre Vorgeschichte
Die Eltern meines Vaters
Baby Gerhard
Die kinderreiche Familie meiner Mutter
Ich in einem glücklichen Motorrad Moment
Hochzeitsportrait meiner Eltern
Portrait vom Fotografen
Kindheit und Schulzeit
Ich bin Teil einer Generation, die in Riesenschritten durch die Modernisierung der Welt ging – vom Grau und der Enge der Nachkriegszeit hinein in die Weite pluralistischer Lebensentwürfe: geografisch, kulturell, in jedem Fall flexibel.
Geboren wurde ich 1953 in Wien und wuchs im Bezirk Währing zusammen mit meinem jüngeren Bruder Michael auf. Unsere Familie lebte ein einfaches, bescheidenes Leben. Die Wohnung – anfangs nur mit Zimmer und Küche – war für vier Personen recht klein, später kam noch ein zusätzliches Zimmer samt Kabinett hinzu. Geld war stets knapp, ein eigenes Auto hatten wir nicht.
Mein Vater war Bäcker, mein Großvater väterlicherseits hingegen ein ehemaliger aktier Pianist, der sich als Künstler verstand. Ein weiterer Onkel führte eine Apotheke – ein durchaus vielfältiges soziales Umfeld also.
Ich besuchte Volksschule und Gymnasium. Früh engagierte ich mich als Ministrant – teils aus spiritueller Überzeugung, teils wegen des Weihrauchdufts, der Orgelmusik und des kleinen Taschengeldes. Vielleicht spielte auch ein gewisser Widerstand gegen meine Eltern mit – für sie war der Maiaufmarsch das höchste Ereignis des Jahres. Während andere Kinder zu den Roten Falken gingen, zog ich die katholische Jungschar vor, quasi als rebellischer Protest.
Drei Sommer verbrachte ich im Rahmen von Schüleraustauschprogrammen in England. Dort entdeckte ich nicht nur fremde Sprache und ungewohnte, für mich himmlisch gute Speisen, sondern auch ein anderes Lebensgefühl. Früh begann ich zu fotografieren und gestaltete Fotoalben wie kleine Bücher – mit Bildern, Texten und Titeln.
Mit 14 wurden erste Gedichte von mir in der Ö3 Musicbox gesendet. Das machte mich stolz und beflügelte meine Lust am Schreiben. Rund ein Jahr später produzierte ich ein kleines Heft mit Gedichten und Prosatexten unter dem Titel „Die Brüder Grimm Droge“, gedruckt auf einem Matrizendrucker. Ein Beispiel:
krieg und frieden – friedenskrieg und liebe?
liebeskrieg, oh friede!
freiheit und gleichheit – gleichgültige brüderlichkeit?
freiheit und brüder in ketten!
bruderkrieg und friedensketten – freiheit ist gleichgültig?
liebet krieg, liebet frieden!
kriegsliebe und atompilze – kein krieg, nur mehr friede?
atomare bruderliebe!
Ein Ausdruck jener Zeit, geprägt von Vietnamkrieg, Kaltem Krieg und Hippiebewegung.
Orientierungslosigkeit nach der Schule
Nach dem Gymnasium begann eine Phase des Suchens – und des Abbrechens. Ich versuchte mich an mehreren Ausbildungen:
Chemiefachschule Rosensteingasse: Nach eineinhalb Jahren aufgegeben – meine anfängliche Begeisterung für Chemie konnte sich nicht vertiefen.
Lehre als Radio- und Fernsehmechaniker bei der Firma Philips: Nach drei Monaten beendet – die harte Werkstattarbeit, die blaue Latzhose und der raue Umgangston waren nichts für mich.
Schnupperlehre als technischer Zeichner bei der Firma Wertheim: Zwar kultivierter im weißen Mantel, doch die Monotonie am Zeichenbrett war ernüchternd.
Zwischen den Stationen übernahm ich allerlei Jobs: Werbezettelverteiler, Hausbote bei der Firma Schenker, Sekt-Kellereiarbeiter bei der Firma Kattus, DJ beim Jugendnachmittag im "Drive In", Kellner mit Servierwagen bei der ÖBB-Bahn. Stets im Nacken das familiäre Drängen: „Entscheide dich doch endlich für irgendwas!“
Berufliche Richtung: Fotografie
Ein Besuch bei der Berufsberatung brachte schließlich Klarheit. Drei Vorschläge machte man mir: Gärtner, Rauchfangkehrer (Schornsteinfeger) oder Fotograf. Letzteres faszinierte mich sofort, liebte ich es doch zu fotografieren mit meiner Kodak Instamatic Kamera – mir war bis dahin gar nicht klar, dass man dafür eine Lehre machen konnte.
Die Vermittlung führte mich zur Foto Christian Skrein GmbH – Mode- und Werbefotografie. Keine Ahnung, was mich dort erwartete. Doch schon beim Betreten des Studios – Beatles-Portraits an der Wand, „Led Zeppelin“ Musik im Hintergrund, ein bärtiger Langhaariger (Hubert Urban) – spürte ich: Hier bin ich richtig.
Ich blieb zweieinhalb Jahre. Christian Skrein war einer der bekanntesten Fotografen Wiens. Von ihm lernte ich nicht nur Fotografie, sondern auch Haltung und Kreativität. Die Dunkelkammer mit ihrem Geruch, die Lampen und Blitzgeräte – sein roter Porsche 911, das alles faszinierte mich.
Skrein war mehr Mentor als Lehrherr. Unserer Alterunterschied war gar nicht so hoch war, er war gerade mal 24. Mit ihm arbeitete Hubert Urban, ebenfalls ein exzellenter Fotograf. Das Studio war stets belebt – Aufträge, gut aussehende Fotomodelle, Künstler, Experimente. Ich erinnere mich an Besuche von André Heller, Attersee, Arnulf Rainer, Ernst Fuchs und Leherb. Wir rebellierten gegen das Establishment: „Das Neueste kommt aus London, Wien ist dumpf und bieder.“
Ein neuer Versuch: Matura und Studium
Die Lehre schloss ich letztlich nicht ab. Min Onkel versuchte, mich auf einen "seriösen Weg" zu bringen – mit dem Angebot, seine Apotheke in der Wollzeile („Zum römischen Kaiser“) zu übernehmen, falls ich Pharmazie studierte. Dafür war jedoch die Matura nötig. Ich meldete mich bei der Maturaschule Dr. Roland an, lernte eifrig und arbeitete nebenbei in der Hausdruckerei.
Doch das wilde Leben – Partys, Lieben, und das WG-Leben – holte mich bald wieder ein. Die Matura, das Studium und die Apotheke – all das entfernte sich wieder.
Militärdienst und neuer Berufseinstieg
Der damals unvermeidliche Militärdienst führte mich in die Stabskompanie der Militärakademie. Ein halbes Jahr Zeit, über meine Zukunft nachzudenken.
Danach nahm ich eine Stelle bei Foto Herlango an – als Werbeassistent. Meine fotografischen Kenntnisse halfen bei der Gestaltung von Hausprospekten und Werbeanzeigen. Das Unternehmen finanzierte mir sogar einen Hochschullehrgang für Werbung und Marketing an der Hochschule für Welthandel. Ich war stolz – und abends voller Begeisterung im Studium. Weil ich in der Branche arbeitet war mir der Zugang möglich. Unter den Dozenten: etwa der Verhaltensforscher Konrad Lorenz.
Ich lernte viel über Grafik, Druck, Betriebs- und Volkswirtschaft. Computer waren damals noch Großrechner – etwa die Univac 1106 mit sagenhaften 256K Speicherkapazität, präsentiert in klimatisierten Räumen.
Privatleben, Kunstszene, frühe Vaterrolle
Schon ab dem Alter von fünfzehn lebte ich ein sehr bewegtes Leben. Erste Lieben kamen und gingen. Ich wohnte in kleinen Apartments oder wilden WGs und war Stammgast in den angesagten Wiener Nachtlokalen: Voom-Voom, Atrium, Camera Club, Drive In, Exil, Vanilla, Monopol, Spiegel Club, Café Savoy, Palme, Brückenstube u.v.m.
Ich schrieb Gedichte, fotografierte frei und intensiv. Im Selbstverlag veröffentlichte ich Texte. Besonders der Künstlerclub Vanilla, mit angeschlossener Galerie, war Treffpunkt und Austauschort mit vielen spannenden Menschen – Autoren, Musikern, Malern.
Mit etwa neunzehn Jahren erfuhr ich, dass ich Vater einer Tochter geworden war. Sie wurde jedoch direkt nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Ich durfte und sollte mich nicht weiter um sie kümmern. Jahrzehnte später kontaktierte sie mich – und so lernte ich schließlich Carola kennen: eine wunderbare Frau mit zwei ebenso wunderbaren Kindern, Antonia und Elias – meinen Enkeln.
Die weiteren Jahre in Wien
Beide Fotos sind in Amsterdam Anfang 1970 aufgenommen worden. Es war die Zeit der langen Haare und der Look der eingefallenen Schultern, wie Jim Morrison mit Sonnenbrille, Lederhemd und Hose sowie Stiefeletten mit hohen Ansätzen, oder langer bis zum Boden reichender schwarzer Mantel
"68" - ein Buch über den Fotografen Christian Skrein mit zahlreichen spannenden Fotos aus der Zeit um 68 und danach - 2008 gab es im Wien-Museum eine umfangreiche Ausstellung mit vielen seiner Arbeiten, bei der Entstehung einiger war ich dabei.
Zwischen Pflicht und politischem Erwachen
Mit dem Ende des Militärdienstes verabschiedete ich mich auch von meiner langhaarigen Phase. Arbeit und Studium führten zu einem „seriöseren“ Erscheinungsbild – und beendeten den ständigen Kampf mit der Außenwelt. Denn langhaarige Männer wurden damals häufig in der Öffentlichkeit beschimpft – ein regelrechter Spießrutenlauf.
Schon vor dem Bundesheer hatte ich Günther Nenning und dessen Magazin „Neues Forum“ kennengelernt. Wie viele andere wollte auch ich dem Wehrdienst entgehen – Zivildienst gab es noch nicht, und Verweigerung war kriminalisiert, also keine Option. Nenning war für viele eine Anlaufstelle: als politischer Aktivist und charismatische Figur beeindruckte er mich nachhaltig.
Zunehmend fühlte ich mich einer linken Politik jenseits der Sozialdemokratie zugehörig – auch aus Protest gegen staatliche Projekte wie das geplante Atomkraftwerk Zwentendorf, das als Fortschritt verkauft wurde, aber massiven Widerstand hervorrief. Letztlich wurde es nie in Betrieb genommen.
Ich war regelmäßiger Gast im Club Links, dem Treffpunkt der Bewegung für Sozialismus (BFS) – einer Nachfolgeorganisation der FÖJ. Auch das frühere KPÖ-Zeltlager am Neufelder See wurde für mich zum Ort lebendiger politischer und musikalischer Begegnungen. Dort sangen wir linke Hymnen am Lagerfeuer, diskutierten und träumten von anderen Gesellschaftsformen.
Ein Höhepunkt dieser Zeit: Ich erhielt den Auftrag, eine Fotoreportage über Wolf Biermann während seines Wien-Aufenthalts zu machen. Seine Texte und seine Haltung waren legendär. Biermann lebte damals mit Eva-Maria Hagen in Ost-Berlin – bis ihm nach einer Tour in Westdeutschland die Rückkehr verweigert wurde. Auch Nina Hagen, Tochter seiner Lebensgefährtin, emigrierte später in den Westen.
Erste Selbstständigkeit und Aufstieg in der Werbefotografie
Mein Wunsch, mich möglichst rasch selbstständig zu machen, trieb mich an. Ich arbeitete in verschiedenen Fotostudios in Wien, um Erfahrung zu sammeln (sie alle findet man nicht unter Google, das war vor der Zeit des Internets) - unter anderem bei Georg Simonis, wo ich meinen zukünftigen Geschäftspartner kennenlernte. Er war ein weltgewandter, zehn Jahre älterer Mann, der als Kundenbetreuer und Akquisiteur arbeitete – im Gegensatz zu mir schien er "etabliert".
Gemeinsam eröffneten wir ein Fotostudio für Werbe- und Modefotografie und gründeten eine GmbH. Als gewerberechtliche Geschäftsführerin stand uns eine Fotografenmeisterin zur Seite, die zuvor bei Christian Skrein tätig gewesen war. Skrein selbst hatte inzwischen ebenfalls die Meisterprüfung abgelegt, kurz danach wendete er sich dann von der Fotograie der Werbefilmbranche zu.
Meine während der Lehrzeit aufgebauten Kontakte zu Werbeagenturen zahlten sich nun aus: Unser junges Studio erhielt bald viele gut bezahlte Aufträge. In einem der Räume zog ein befreundeter Werber mit seiner kleinen Agentur ein – wir teilten uns modernste Kommunikationstechnik: ein riesiges Telexgerät, das so groß war wie ein Kühlschrank, ein Anrufbeantworter und sogar eine IBM-Kugelkopfschreibmaschine.
Die Umsätze waren gut – und ebenso meine privaten Ausgaben, die hauptsächlich ins künstlerische Nachtleben flossen. Der Club Vanilla war ein fester Bestandteil meines Alltags: ein kreativer Knotenpunkt, an dem sich Musiker, Künstler und Autoren trafen.
Mein Studiopartner war eher am Kommerz interessiert – mir aber lag zunehmend das künstlerische Schaffen am Herzen. Nach knapp zwei Jahren trennten sich unsere Wege. Ich schrieb weiterhin Gedichte und Kurzgeschichten, beteiligte mich an Lesungen und realisierte kreative Fotoprojekte, u.a. mit Daniel Friedemann-Fuchs, dem Sohn von Ernst Fuchs, sowie mit Roland Rädler.
Unsere Wochenenden verbrachten wir oft im Waldviertel, im Haus meines Freundes Helge Loider. Diese Ausflüge fühlten sich an wie Reisen in andere Welten. Ein Kuriosum jener Zeit war die Krokobar in Waidhofen: laute Rockmusik und exotische Tiere in Käfigen – ein Konzept, das heute wohl als Tierquälerei gilt, damals aber als faszinierende Abweichung von der Norm erlebt wurde.
Ein interessantes Buch mit vielen Geschichten und Fotos - Mein Werbeplakat passend zu den frühen 1970er Jahren - Eines der wenigen Fotos aus meiner Zeit Anfang 20
Suche nach Sinn, Ruhm und innerer Freiheit
Ich suchte das intensive Leben – voller Hoffnung, darin Erfüllung, Sinn, Ruhe, aber auch Lebendigkeit zu finden. Manchmal war diese Suche erfolgreich, oft aber auch ernüchternd.
Zwar stellten sich finanzielle Erfolge ein, und mein wachsender Bekanntheitsgrad eröffnete mir zahlreiche Kontakte. Doch gerade beim näheren Hinsehen auf „berühmte“ Künstler und Musiker erkannte ich: Glück sieht anders aus. Viele wirkten gehetzt, rastlos, innerlich leer.
Auch in Beziehungen und alternativen Wohnformen suchte ich Erfüllung – nicht selten scheiterten diese Versuche an unterschiedlichen Vorstellungen von Freiheit und Regeln.
Scientology: Verführung und rascher Ausstieg
Eines Tages kam Paul Hochegger, ein guter Freund (und Bruder des später berüchtigten Peter Hochegger), in mein Studio. Begeistert erzählte er von einer Gruppe, die sich mit geistigem Wachstum, Klarheit und dem „Verbessern des eigenen Lebens“ beschäftigte. Zu dieser Gruppe gehörten auch Prominente wie Bernhard Paul (damals gerade mit dem Zirkus Roncalli beschäftigt) und Gottfried Helnwein.
So kam ich in Kontakt mit Scientology.
Anfangs war es faszinierend – ein komplett neuer Ansatz, der sich ausschließlich mit meinem geistigen Potenzial beschäftigte. Paul arbeitete dort bald Vollzeit, oft über zwölf Stunden am Tag – voller Begeisterung, aber ständig knapp bei Kasse, was er auch mit Bitten an mich kompensierte.
Ich absolvierte viele der Kurse, die jedoch immer teurer wurden. Zur Finanzierung halfen mir einige Mitglieder über ihre Firmen mit Fotoaufträgen. Doch mit der Zeit empfand ich vieles als immer dubioser: eine latente Überwachung, getarnt als Freundschaft, mit dem Ziel, immer tiefer in das System hineingezogen zu werden.
Trotz warnender Stimmen und der sektenhaften Struktur gelang es mir, relativ schnell auszusteigen. Die angedrohte „Verurteilung auf allen bewohnten Planeten“ als ewiger Verräter ließ mich eher schmunzeln – ein seltsames, absurdes Bedrohungsszenario, das mich am Ende nur noch befremdete.
Wien wird zu eng – Sehnsucht nach West-Berlin
Immer öfter spürte ich, wie mich die kommerzielle Fotografie langweilte. Alles wiederholte sich: Motive, Abläufe, Anforderungen. Die Vorstellung, die nächsten Jahrzehnte auf diese Weise weiterzumachen, war nicht auszuhalten.
Auch Wien – so sehr ich es liebte – wirkte zunehmend wie ein verschlafenes, rückständiges Gebilde. Es gab zwar bunte Nischen und kreative Szenen, doch Berlin lockte immer mehr.
Einige Freunde waren bereits nach West-Berlin gezogen, wie man damals sagte: ausgewandert. Ihre Geschichten elektrisierten mich. Ich stellte mir eine Stadt vor, lebendig rund um die Uhr, offen, wild, kreativ – eine Insel inmitten des Ostblocks. Ein Gegenentwurf zu allem, was mich in Wien einengte.
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