Lebenskunst & Künstlerleben

Es war die Zeit vor Internet und digitalen Medien, also gibt es recht wenig derart Aufgezeichnetes. Es war nicht üblich einander übermäßig zu filmen oder zu fotografieren, alleine schon weil das Material teuer war. Das änderte sich zunehmend. Zuerst gab es Videos und Fotokopien, später immer mehr. Ich näherte mich jedenfalls beständig meinem 30. Lebensjahr.

Aufbruch nach Berlin-West

Eine Reise in eine andere Welt

Die Fahrt nach Berlin war aufregend: von Wien über die Tschechoslowakei, weiter durch die DDR – alles kommunistischer Ostblock abgeschirmt durch Stacheldraht und Mauer und plötzlich stand man in Berlin-West, mitten im westlichen Lebensstil. Zwar wurde dort ebenfalls eine Art Deutsch gesprochen, wie in Wien, doch es hörte und fühlte sich alles völlig anders an.

Berlin wirkte wie ein Ort, der niemals schlief. Unzählige Lokale und Clubs hatten bis spät in die Nacht geöffnet, weit mehr als in Wien. Die Stadt befand sich sichtbar im Umbruch: Mode, Musik, Politik und Kunst – alles schien in Bewegung zu sein. Auch ich selbst musste mich neu erfinden.

Neue Wege in der Fotografie

Die kommerzielle Fotografie interessierte mich nicht mehr. Stattdessen begann ich, mit Redakteuren von Zeitungen und Magazinen zusammenzuarbeiten. Daraus entstand unter anderem eine umfangreiche Reportage über die Musikszene mit dem Titel „Wall City Rock“, die im Spiegel und im linken Magazin Konkret veröffentlicht wurde. Für die Illustrierte Brigitte entstanden kleinere Fotoreportagen.

Ein besonderes Erlebnis war ein Interview mit Nina Hagen. Fotografieren durfte ich sie allerdings nicht – ihr Manager Jim Rakete, zugleich ihr Hausfotograf, hatte sämtliche Foto-Rechte.

Zwischen Politik und Untergrund

Am wohlsten fühlte ich mich im Umfeld der später verbotenen Zeitung „Radikal“. Dort fotografierte ich, half beim Layout – alles noch ohne Computer. Immerhin gab es eine Fotosetzmaschine, ein monströses Gerät von fast drei Metern Länge.

Bald wurde ich Teil eines alternativen politischen Werbekollektivs: FDGÖFoto, Druck, Gestaltung, Öffentlichkeitsarbeit –, angelehnt an den Begriff Freie Demokratische Grundordnung. Wir produzierten Plakate, Postkarten und die bekannten „Atomkraft? Nein danke“-Buttons, die wir auf Demonstrationen und politischen Veranstaltungen verkauften.

Die Spannung der Zeit

Gleichzeitig war die Atmosphäre angespannt. Die RAF (das linke Terrorkommando) war allgegenwärtig, und der Staat rüstete die Polizei massiv auf. In unserer Szene vertraute niemand der Regierung oder den staatlichen Institutionen. Ich glaube, das habe ich mir bis heute bewahrt.

 

Dieser Artikel in der ZEIT bringt das Zeitgeist-Gefühl von damals ziemlich gut auf den Punkt.

Ich wurde dafür von der aus Wien stammenden Redakteurin in Westberlin gefunden, interviewt und recht treffend beschrieben, alles dazu ist gelb markiert.

 

Zwischen Politik und Kunst

Ernüchterung in der Bewegung

Obwohl mir die politische Arbeit gefiel und ich ihre Sinnhaftigkeit spürte, bemerkte ich zunehmend, wie ich immer ernster wurde – der Spaß am Leben schien verloren. Viele Mitstreiter erging es ähnlich.

Zu oft war es zermürbend, sich gegen Polizei und staatliche Schikanen zu wehren. Auch die ständige Angst vor Unterwanderung durch den Verfassungsschutz brachte uns in einen permanenten „Kampfmodus“. Einige wandten sich deshalb immer stärker der Kunst zu – und fanden dort neue Leichtigkeit.

Punk statt Rock

Parallel dazu veränderte sich die Musik. Die langhaarige Rockkultur wich dem kurzgeschorenen Punk. Politische Zugehörigkeiten waren plötzlich schwerer einzuordnen, zumal seitens der linkenn Szene Punk anfangs als rechtsradikal eingestuft wurde.

Ein Beispiel war der legendäre Punk-Club SO36, eine umfunktionierte Aldi-Filiale. Der kahle Raum mit seinen Neonröhren wurde unverändert genutzt – und wurde zum Schauplatz unvergesslicher Konzerte. Als die Gruppe DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft) ihre provokativen Texte brüllte, stiegen manche aus der linksanarchistischen Szene geistig aus. Besonders bei Liedern mit Texten wie "Tanz den Mussolini....beweg deinen Arsch, wackle mit dem Hintern...und jetzt den Adolf Hitler".

Begegnung mit Sabine

Auf meinen nächtlichen Streifzügen begegnete ich immer wieder einer faszinierenden Frau: Sabine. Oft weiß geschminkt, mit markanter Punkfrisur, führten wir lange Gespräche. Mit anderen künstlerisch orientierten Freunden zogen wir in eine ehemalige Fabriketage der FDGÖ – und plötzlich kehrte auch bei mir die Freude am Leben zurück.

Wir bewegten uns an der Filmakademie und in der Kunsthochschule und , wo ich als Gaststudent neue Welten kennenlernte. Politik und Kunst hielten sich eine Zeit lang die Waage, auch wenn die Codes in unseren Bildern und Filmen nicht für jeden sofort verständlich waren.

Künstlerpaar und erste Erfolge

Sabine, die sich nun Sasa Merts nannte, und ich – inzwischen der Künstler Görd Kaa – spürten bald, dass wir nicht nur zusammenleben wollten, sondern auch als Künstlerpaar Anerkennung suchten. Unser erstes „gemeinsames Werk“ war die Geburt unseres Sohnes Max Nemo – eine Hausgeburt, begleitet von einer Hebamme des 1. Berliner Hebammenkollektivs.

Damals galt eine Hausgeburt fast als revolutionärer Akt und wurde von der klassischen Medizin beinahe wie ein Kindesmordversuch betrachtet.

Bürokratie und neuer Name

Einige Zeit später führte uns das Leben zu einer kuriosen Form von „Eheschließung“. Eine Beamtin vom Ausländeramt erklärte mir, dass meine Aufenthaltsgenehmigung – Österreich war damals noch nicht Teil der EWG – nicht verlängert würde. „Alimente können Sie schließlich auch aus Wien zahlen. Oder – Sie heiraten eben“, schlug sie vor.

So kam es, dass ich den Namen meiner Frau annahm und fortan offiziell Gerhard Mertens hieß. Die Ehe empfanden wir beide als spießig, doch unter dem Label Mertens & Mertens Cooperation begannen wir, als Künstlerpaar zu arbeiten.

Internationale Vernetzung

Gemeinsam schufen wir zahlreiche Werke: Malereien, Videofilme und Ausstellungen. Wir beteiligten uns an internationalen Videofestivals und waren vertreten beim legendären „Infermental“, dem ersten internationalen Videomagazin auf Kassette, initiiert 1980 vom ungarischen Filmemacher-Paar Gábor und Vera Bódy. Auch beim Festival Video Roma und bei Screenings in der New Yorker Galerie The Kitchen waren unsere Arbeiten zu sehen.

Die Vernetzung in der Kunstszene nahm Fahrt auf. Erste private Verkäufe und meine Aufnahme in den BBK-Berlin (Berufsverband Bildender Künstler), nach Prüfung meiner Arbeiten durch eine Kommission, stärkten mein Selbstverständnis als Künstler.

 

 

 

Als Künstlergruppe "X-Stars" bei der "freien Berliner Kunstausstellung" - Meine Arbeit "Sophia Loren hinter Gittern  - Das Künstlerpaar Görd Kaa  &  Sasa Merts

In Berlin lebte ich eine Zeit lang mitten am damals unbebautem Potsdamer Platz nahe an der Mauer, in einer riesigen Etage in einem alten Fabriksgebäude, die "Deutsche Zentraldruckerei" (rot markiert) -  Einer meiner "Styles" in den späten 70ern, so war ich manchmal in der Stadt unterwegs

Leben im Schatten der Mauer

Alltag zwischen Ost und West

Das Leben in Berlin war bunt und aufregend. Tagesausflüge in den Ostteil der Stadt glichen dabei immer einem Besuch auf einem anderen Planeten. Statt mit einem Raumschiff zu reisen, stieg man einfach in die S-Bahn.

Dort lebte die Fotografin Helga Paris, durch die ich spannende Künstlerclubs kennenlernte und auf interessante Menschen inmitten des real existierenden Sozialismus traf. Doch trotz dieser Begegnungen herrschte eine spürbar graue Stimmung, die manchmal sogar in den Westteil hinüberschwappte – besonders im Winter und im Herzen des Kalten Krieges.

Kalter Krieg vor der Haustür

Ost und West rüsteten massiv auf, atomare Raketen beider Seiten waren direkt aufeinander gerichtet. Ein Atomkrieg erschien als durchaus reales Szenario.

Aus den Fenstern unseres Ateliers blickten wir auf den Potsdamer Platz, die Ruine des Reichstags und über die schwer abgesicherte Mauer hinweg auf das eingezäunte Brandenburger Tor. Immer wieder donnerten Militärhubschrauber in geringer Höhe über unser Gebäude. An Bord saßen westliche Offiziere mit Ferngläsern, die nach drüben spähten – während sie von dort ebenso beobachtet wurden.

Berlin erschien uns zunehmend düster. Um Abstand zu gewinnen, machten wir immer öfter Kurzreisen nach Westdeutschland, besonders nach Hamburg – einfach raus aus der Mauerstadt.

Entscheidung für Hamburg

Die Fahrt durch die DDR war jedes Mal ein abenteuerliches, oft unangenehmes Erlebnis voller schikanöser Verkehrs- und Grenzkontrollen.

Mehr und mehr reifte in uns der Entschluss: Wir wollten nach Hamburg. Die Stadt trug den verheißungsvollen Slogan „Tor zur Welt“ – und tatsächlich sollte sich das für uns als erstaunlich wahr herausstellen.

Künstlerleben in Hamburg

Vom Experiment zur Berufung

Das künstlerische Arbeiten, das in Berlin seinen Anfang genommen hatte, wurde in Hamburg zu meiner ständigen Beschäftigung – und schließlich zu meinem Beruf. Gemeinsam mit Sasa Merts arbeitete ich an einem multimedialen Projekt über die Popgruppe ABBA, aus dem ein Buch hervorging.

Bald folgten Ausstellungen mit Malerei und Performances, Radiosendungen im ORF und im RIAS Berlin, ein Fernsehauftritt im NDR sowie Beiträge im Privatfernsehen und zahlreiche Radiointerviews. Unsere Pressemappe und das Ausstellungsverzeichnis wuchsen stetig.

Zunächst brachten wir das Buch „ABBA – Life can be…“ im Selbstverlag heraus. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad erschien es dann auch in der Ullstein-Buchreihe „Idole“.

Malerei, Objekte und Video

Während die Fotografie in den Hintergrund rückte, widmete ich mich intensiv der Malerei, Objekten und vor allem dem Video. Für Filme im Umatic-Format (3/4 Zoll) benötigte man eine aufwendige, teure Ausrüstung: riesige Schneidetische, teures Material, und eine Kassette bot gerade einmal 20 Minuten Aufnahmezeit.

Trotz des technischen Aufwands liebte ich diese freie künstlerische Arbeit. Zunehmend konnten wir vom Verkauf unserer Werke und von unterschiedlichsten Förderungen leben. Unsere Videos wurden auf internationalen Festivals gezeigt. 

Zwischen Kunst und Kommerz

Hin und wieder entstanden auch fast kommerzielle Projekte – etwa ein Kinowerbefilm im 70mm-Format für die Firma Schauland, mit Chris Howland in der Hauptrolle. Besonders war daran, dass er von uns Videokünstlern realisiert wurde – und solche Projekte hatten immerhin ein ansehnliches Budget.

Nächte voller Kunst

Unser Lebensrhythmus war unkonventionell. Meist arbeiteten wir nachts und schliefen tagsüber, während unser Sohn im Kindergarten war. Ein bürgerliches Eheleben führten wir keineswegs – unsere Räume waren ehemalige Büros und Fabriketagen, und unser Zuhause war das Hamburger Künstlernachtleben.

In den zahlreichen Café-Bars, Restaurants, Clubs und Galerien knüpften wir Kontakte. Dort traf sich die gesamte Szene – und alle, die sich dafür interessierten. Alles geschah noch völlig ohne Internet und Handys: Man musste raus unter die Menschen, um sich zu vernetzen, um einander zu begegnen und im Gespräch zu bleiben.

 

Unsere umfangreiche Mail-Art und viele unserer Künstlerbücher sind in der Sammlung "Lomholt Mail Art Archive" in Dänemark archiviert, ebenso in einigen internationalen Kunstsammlungen und -Museen

 

 

Der Einband des ABBA - Buches und Jahre später auf der Homepage des ABBA-Fanclubs

Die X-Stars in Hamburg

Aufbau der Künstlergruppe

Unsere Künstlergruppe „X-Stars“ nahm in Hamburg zunehmend Gestalt an. Wir bereiteten unsere erste große Gruppenausstellung vor. Wohnung und Ateliers befanden sich im Obergeschoss einer alten Fischfabrik im Stadtteil Ottensen. Unten lagen freie ehemalige Produktionsräume und ein großer Keller, die wir nach Verhandlungen mit dem Eigentümer ebenfalls als Ausstellungsräume nutzen durften.

Vom Hamburger Kultursenat erhielten wir dafür großzügige Förderungen. Ein gedruckter Katalog begleitete die Ausstellung: Das Vorwort stammte handgeschrieben von unserem Künstlerfreund A.R. Penck, einem sehr bekannten Maler, und Dietrich Kuhlbrodt steuerte einen kleinen Beitrag bei. Diese Kooperationen weckten die Neugier der Hamburger Kunstszene. Zusätzlich sprühten wir unser X-Stars-Logo an die Frontmauern wichtiger Galerien und Museen – weit vor der bekannten, an Warhol angelehnten Bananensprayer-Aktion. Auf Sachbeschädigungsbeschwerden reagierten wir mit jugendlicher Schnoddrigkeit und beriefen uns auf die Freiheit der Kunst.

Erfolg der ersten Ausstellung

Wir hofften auf viele Besucher – zu unserer Überraschung kamen weit über zweihundert Menschen. Die Polizei musste sogar den Straßenverkehr umleiten. Sammler, Galeristen, der Kultursenator, Professoren der Kunstakademie und viele weitere spannende Persönlichkeiten fanden den Weg in unsere alte Fischfabrik.

Der Erfolg dieser Ausstellung steigerte nicht nur den Bekanntheitsgrad der X-Stars, sondern erhöhte auch die Kunstverkäufe der Mitglieder. Unsere Käufer waren Ärzte, Anwälte, Firmenchefs und Sammler. Damals war es noch möglich, Kunstkäufe steuerlich abzusetzen, was vielen Künstlerinnen und Künstlern sehr half.

Regelmäßig erschienen Presseartikel über uns, und es gab wiederholt Beiträge in Radiosendungen, da wir kontinuierlich Ausstellungen und Veranstaltungen organisierten. Als eingetragener Verein nutzten wir unsere Räumlichkeiten auch für Musik- und Theateraufführungen, was viele Besucher anzog. Unter dem offiziellen Namen „X-Stars Cultural Connection Committee“ waren wir zudem international gut vernetzt.

Performances und ungewöhnliche Begegnungen

Performances gehörten ebenfalls dazu. Eine unvergessliche Aufführung war ein Butoh-Tanztheater eines renommierten japanischen Künstlers.

Besonders in Erinnerung blieben zwei Begebenheiten: Einmal trat die Hamburger Niederlassung der Otto-Mühl-Kommune vom Friedrichshof in Österreich bei uns auf. Ihre Selbstdarstellung durch ein Video war so gewagt, dass selbst wir beeindruckt, aber auch irritiert waren. Ein anderes Mal erschien ein paar Menschen in roten Gewändern bei einem Discoabend. Sie tanzten sofort wild und ausgelassen, während das überwiegend schwarz gekleidete Künstlerpublikum sich noch fassungslos an der Wand hielt. Flüsternd erfuhr ich, dass es Bhagwan-Sannyasins waren – und dass ich diese Welten Jahre später noch näher kennenlernen würde, ahnte ich damals nicht.

Von der Kunst zur Vermarktung

Die Ausstellungen und internationalen Vernetzungen bereiteten mir große Freude. Doch mit der Zeit rückte die eigentliche künstlerische Arbeit in den Hintergrund. Die Vermarktung und Organisation schlichen sich zunehmend in den Vordergrund.

Statt wie früher als Fotograf Firmen und Agenturen zu kontaktieren, musste ich nun ständig Medienvertreter, Galerien, Museen und Sammler erreichen. Die freie Kunst – das reine Malen und Gestalten aus Freude – wurde zunehmend überlagert. Plötzlich war die freie Kunst gar nicht mehr so frei.

 

Von oben: Impressionen meiner Arbeiten bei der "X-Stars" Ausstellung - Installationen im Keller bei  der Ausstellung "Anno Domini 1984" - Verschiedene Presseartikel - Ein Foto des Künstlerpaares - Stimmung in einer der Fabriketage in Hamburg, wo wir zu sechst und ohne Wände (nur Vorhangabtrennungen) lebten, die Badewanne war in der Küche - Pressefoto in Dänemark im Ort "Falling" beim Videoschnitt

 

Die "World Art Tour" und Australien

Unbehagen und neue Pläne

Trotz unseres vielfältigen Lebens in Hamburg hatten wir das in Berlin aufkommende Unbehagen über die weltpolitische Lage nicht vergessen. Die internationale Situation erschien uns zunehmend bedrohlich, und der Gedanke an einen möglichen Krieg schwebte ständig über uns. Schon in der Mauerstadt hatten wir überlegt, nach Australien auszuwandern, da es uns dort im Krisenfall sicherer schien.

Die Freundschaft zu einem Paar aus Melbourne und ihre Geschichten über das Land bestärkten uns darin. Nach und nach konkretisierten wir unser Australien-Projekt und verpackten es unter dem Titel „World Art Tour“.

Vom Transporterbus zum Wohnmobil

Wir kauften einen Transporterbus und bauten ihn zu einem Wohnmobil um. Mit diesem Fahrzeug planten wir, weitgehend über Land nach Australien zu reisen – von Deutschland über Österreich und Ungarn, weiter durch den Ostblock nach Wladiwostok und von dort mit dem Schiff nach Australien. Natürlich hatte das freie künstlerische Denken seine Tücken, und die Realität war komplizierter als geplant.

Europatour und Multimediabox

Um unser Projekt zu finanzieren und zu bewerben, starteten wir umfangreiche Touren durch Europa. Wir präsentierten unsere Ideen bei Galerien und Museen und entwickelten eine Multimediabox zum Verkauf.

Die Box war eine schwarze, zunächst leere Holzkiste, ergänzt mit dem Versprechen, sie unterwegs mit „Mail Art“ zu füllen. Schon während unserer Europa-Reisen verschickten wir Zeichnungen und Videokassetten an die Käufer, die diese in der Kiste sammeln sollten. Zahlreiche Presseartikel und ein besonders hilfreicher Beitrag in der berühmten Zeitschrift „ART“ unterstützten unser Projekt. Einige Sammler und Museen kauften die hochpreisigen Kisten, was uns während der Reise auf Trab hielt.

Zusätzlich hatten wir einen sehr lukrativen Nebenjob: den Verkauf von Einträgen in ein internationales Telex-Verzeichnis. Das edel gebundene Buch in Leder mit Goldprägung beeindruckte viele Unternehmen, die daraufhin die langjährigen Werbe-Verträge unterschrieben. Das Kleingedruckte bewegte sich allerdings rechtlich in einer Grauzone.

Unterwegs in Europa

Mit unserem Bus reisten wir die meiste Zeit durch Österreich, Italien, Holland, Dänemark und Norwegen. Manchmal nahmen wir unser kleines Kind Max  mit, oft jedoch verbrachte er die Zeit bei den Großeltern.

Die geplante Durchquerung der Sowjetunion erwies sich als unrealistisch: Der Bus hätte in eine riesige Holzkiste gepackt und per Eisenbahn transportiert werden müssen, was extrem teuer gewesen wäre.

Abflug nach Australien

Schließlich war es soweit: Die Koffer waren gepackt, und wir flogen von Frankfurt nach Melbourne. Wir hatten ein Touristenvisum für sechs Monate. Zunächst würden wir bei unseren Freunden wohnen, gleichzeitig hatten wir gute Kontakte zum Goethe-Institut geknüpft. Ein Auftritt dort, sowie im ACCA (Australian Center for Contemporary Art) war bereits fixiert.

Damit hofften wir, die Verbindungen zur lokalen Kunstszene zu festigen und unseren europäischen Erfolg in Australien fortzuführen.

Unerwartete Entwicklungen

Doch wie so oft im Leben, nahm alles eine ganz andere Wendung…