Umschau & Friedrichshof & Impetus & Fotografie

Langsam fühlte ich mich wirklich in der Lebensmitte angekommen, ich war jetzt fast 50. Überraschenderweise gab es wieder einmal eine große Wende für mich und meinen Lebensweg, beruflich und ebenso privat, ich fühlte mich aber wie zu Hause auf diesen kurvenreichen Abschnitten. Mit Hilfe meines Sohnes Max, der auch Fotograf geworden war, konnte ich den Einstieg in die digitale Fotografie gewinnen, wenn auch ohne virtuose Bildbearbeitung; Photoshop ist mir ein fremdes Land geblieben. Die AAO Friedrichshof kreuzte damals in Hamburg meine Wege und ich landete genau an dem Ort, wo sie jahrelang ihren Mittelpunkt hatten, am Friedrichshof. Bücher wurden  ebenso ein wichtiger Teil meines Lebens. 

Der Weg ist das Ziel

Orientierung und neue Wege

Langsam dämmerte mir, dass ich zwar immer wieder verschiedene Ziele hatte, aber nie ein großes Lebensziel, auf das ich mein Leben konsequent ausrichtete. Kein Karriereplan, keine Unternehmensgründung, keine Familie als roter Faden. Stattdessen fand ich meinen Weg, indem ich stets versuchte, etwas Interessantes und Spannendes zu tun – immer offen dafür, wohin es mich führte.

So auch damals, als wir uns am Friedrichshof für eine Wohnung bewarben. Über die AAO-Kommune um Otto Mühl hatte ich in Deutschland nichts mitbekommen und ging davon aus, dass sich die Kommune geöffnet hatte – ähnlich wie die Osho-Kommunen. Beide Modelle waren zuvor sehr abgeschottet gewesen; nur Mitglieder konnten darin leben, Betriebe waren für Außenstehende zugänglich. Die AAO hatte neben freier Sexualität auch die Abschaffung des Privateigentums propagiert.

Rasch stellten wir fest, dass es die Kommune so nicht mehr gab – Otto Mühl saß im Gefängnis. Wir zogen auf den weitläufigen Friedrichshof, der einige Züge der alten Kommune bewahrt hatte. Etwa 20 ehemalige Kommunarden lebten dort, die Aufstieg und Fall der AAO miterlebt hatten. Einige hatten nach dem Scheitern Aufarbeitung geleistet. Der Hof war in eine Genossenschaft umgewandelt, Wohnungen und Ateliers wurden vermietet. Das Gelände bot einen großen Badeteich, Gemüsegärten, Seminarräume und ein Gästehaus, das an ein Hotel-Restaurant verpachtet war. Die hohe soziale Kompetenz der ehemaligen Kommunarden färbte stark auf die Bewohner ab.

Der Umschau Verlag und die Buchprojekte

Zwischenzeitlich wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch mit der Herausgeberin des Umschau Verlags eingeladen. Sie legte einen beeindruckenden Fotobildband mit über zweihundert Seiten auf den Tisch:
"Können Sie sich vorstellen, dass da vorne Ihr Name steht?"

Plötzlich wurde die Vision von meinen Büchern real. Ich startete das Projekt: „Eine Kulinarische Entdeckungsreise durch das Wald- und Weinviertel“. Die Region konnte ich selbst wählen, da sie mir von meinem früheren Leben in Wien vertraut war.

Meine Aufgabe: regionale Unternehmen finden, die zum Thema passten und bereit waren, 60 bis 200 Exemplare vorzubestellen. Finanzierung und Inhalt liefen Hand in Hand: Ein Autor schrieb Artikel über die Betriebe, ich fotografierte sie nacheinander. Das Projekt zog sich über etwa ein Jahr, parallel begann nach acht Monaten bereits das nächste Buch.

Meine Erfahrungen im Außendienst halfen, viele Unternehmen zu gewinnen. Ich konnte reisen, frei fotografieren, Landschaften und Stimmungen einfangen. Das Honorar war angemessen. Heute existiert der Verlag offenbar nicht mehr.

Insgesamt entstanden fünf Bücher für den Umschau Verlag, manche unter dem Titel „Trends und Lifestyle in…“. Danach gründeten wir die „Impetus-Edition“, meinen eigenen kleinen Verlag. Die Bücher trugen Titel wie „Wien Inside“ oder „Burgenland Inside“. Die Auflagen lagen jeweils bei etwa 10.000 Exemplaren.

 

Einige meiner Fotobildbände und einer der zahlreichen Presseartikel

 

Leben am Friedrichshof

Das Leben am Friedrichshof war überaus angenehm: Man machte vieles zusammen, feierte viel, besuchte einander in den großzügigen Wohnungen. Es gab Badeteich, Sauna, Sportanlagen und Künstlerateliers.

Privat begann unsere Ehe auseinanderzudriften, und ich zog in eines der neu erbauten Ateliers. Hier führte ich meine Arbeit weiter und leitete gelegentlich dynamische Meditationen. Außerdem erhielt ich den Auftrag, sämtliche dort gelagerten Kunstwerke von Otto Mühl zu reproduzieren und zahlreiche Fotos für eine neue Homepage zu machen.

Die Fotografie, gekoppelt mit den Buchprojekten, brachte weitere Aufträge von kontaktierten Unternehmen. Es war eine neue, freie Phase, ohne großes Studio oder teure Ausrüstung. Die Bildbearbeitung überließen ich gerne den Grafikern – die dritte Phase meiner Fotografie, angenehm und frei.

 

(...zum Angeben) - Einige meiner bekanntesten Kunden: Frey Wille, Backhausen, Bösendorfer, Museumsquartier, Dorotheum, Ringstraßen Galerien, Palais Coburg, Steirereck, Staud's, Kottas,  Juwelier Von Köck, Volksoper, St. Martins Therme, Meinl am Graben, Esterhàzy Betriebe, Weingut Umathum, Weingut Neumeister, Feinkost Schirnhofer, Schloss Kapfenstein, Gut Aiderbichl

 

Begegnungen, Portraits und neue Inspiration

Ich war viel unterwegs, lernte spannende Menschen und ihre Unternehmen kennen. Die kulinarischen Bücher führten mich in die Welt der Haubenküche und Spitzenweine. Oft war ich bei Events eingeladen, konnte hinter die Kulissen blicken – einer der Vorteile als bekannter Berufsfotograf.

Besonders faszinierte mich das Portraitfotografieren. Ich lernte, dass die wichtigste Voraussetzung für gelungene Portraits darin besteht, eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Fotograf und Motiv aufzubauen.

Am Friedrichshof herrschte immer viel Lebendigkeit, im Winter machte sich jedoch die Abgeschiedenheit bemerkbar. Ich zog mich ganz in mein Atelier zurück. Bald lernte ich Birgit kennen, zunächst beim Nacktbaden am Teich – ungewohnt, später trafen wir uns bekleidet in einem Wiener Café. Wenige Wochen später zog sie mit ihrem kleinen Sohn bei mir ein. Sie wurde für mich eine inspirierende Begleiterin.

Um mehr Klarheit in mein Leben zu bringen, nahm ich an Familienaufstellungen teil. Vieles konnte ich besser verstehen, Altes aufarbeiten und Neues freier begrüßen. Der Wunsch entstand, meine direkte Lebensqualität zu verbessern und „gehaltvollere“ Bücher zu machen – solche, die meinen persönlichen Interessen entsprachen, weniger dem Prestige oder Image von Unternehmen.

Eine kleine Anekdote: Ich kaufte einen roten BMW, wollte ihn auf der Wiener Ringstraße präsentieren – doch die vielen großen Autos um mich herum ließen das Besondere verblassen. Eine lehrreiche Erinnerung an den Wert von Wahrnehmung und Selbsterfahrung.

 

 

Einblicke in meine Homepages für meinen Verlag und für meine kommerzielle Fotografie, die Seiten sind schon länge nicht mehr online -  Portrait für eines der Bücher über Wien

 

Umbruch nach der Scheidung

Nach der dramatischen Scheidung von Salena begann auch für mein Unternehmen eine Umbruchsphase. Die Klientel für Fotobildbände war über die Jahre abgegrast, neue Unternehmen kamen kaum hinzu. Gleichzeitig schwand die Magie gedruckter Bücher: Digitale Druckmöglichkeiten ermöglichten kleine Auflagen, wodurch Kunden zwar weiterhin ein Buch erhielten, aber die Wirkung großer Hardcover-Bände verlor sich.

Ich versuchte neue Wege: spezifische Themen in kostengünstigeren Varianten, Apps als digitale Buchformate, Shopping Guides oder Inspirationsbücher. Doch die Konkurrenz wuchs. Eine Idee, die besonders reizvoll erschien, war die Produktion eines Buches über Seminarhäuser, Therapeuten und Coaches – all jene, die das Leben für Menschen lebenswerter gestalten.