Self-Awareness & Kazaya
Mit meiner Initiation in Osho-Sannyas begann für mich eine neue Lebensphase, ich genoss auch meinen spirituellen Namen, Swami Anand Yakiz sehr, er war wie eine ständige Erinnerung an meinen neuen Lebensweg. Dieser Lebensabschnitt war immer noch geprägt durch weite Reisen, mehrmals nach Indien und Australien. Alles hatte aber einen weitaus ruhigeren Rahmen als mein Leben vorher. Self-Awareness steht für Selbsterfahrung, wovon ich in mannigfaltigen spirituell-therapeutischen Gruppen jede Menge erlebt habe. Klar gab es Drama, Glückseligkeit und Trauer, ich begann zu akzeptieren, dass das Leben eben sehr vielfältig ist und sich konstant wandelt. Der Begriff Kazaya wird weiter unten erklärt.
Parimal, Poona & der ganze Spirit
Leben in der Kommune
Das Super Nova löste sich nach und nach auf, die Kerngruppe zog in eine große, luxuriöse ehemalige Fabrikantenvilla mit Pool am Rand Wuppertals. Mich zog es jedoch in die Sannyas-Kommune Parimal zwischen Göttingen und Kassel. Dort wohnte ich auf einem angeschlossenen Bauernhof mit eher einfachem Standard. Herd, Badeofen und alle Öfen in vier Zimmern mussten in der kalten Jahreszeit täglich befeuert werden.
Trotz der einfachen Lebensbedingungen war die Gemeinschaft lebendig und bunt: etwa fünfzig Menschen lebten zusammen, es gab wunderschöne Gärten, eine Sauna, eine Kellerdisco, mehrere Seminar- und Meditationsräume. Täglich wurde gekocht und gemeinsam gegessen, gelacht, gestritten, gesungen und getanzt. Regelmäßig kamen spannende Menschen zu Besuch, unterstützt durch den integrierten Seminarbetrieb.
Ab und zu reiste ich nach Egmond an der holländischen Küste zur Humaniversity, um an intensiven therapeutisch-spirituellen Gruppen teilzunehmen. Innerhalb der Szene war Egmond umstritten – manche hielten es für die Hölle, Poona für den Himmel. Für mich war klar: Indien würde mein nächstes Ziel sein. Dort verbrachte ich mehrere lange Winter – einmal auch zusammen mit meinem Sohn Max für zwei Monate, inklusive Abstechern nach Goa. Es gefiel ihm sehr gut.
Fotografie in Seminaren
In den Seminaren begann ich, mit Zustimmung der Leiter und Teilnehmer zu fotografieren. Die meisten freuten sich über die intimen Fotos. Zusätzlich bot ich ein- bis mehrstündige individuelle Fotosessions an unter dem Titel: „Allow yourself to be beautiful“ – „Erlaube Dir, schön zu sein“. Viele Arbeiten präsentierte ich auf kleineren Ausstellungen.
Im Ashram in Poona durfte ich ebenfalls viel fotografieren und arbeitete für die „Osho-Times International“. Meditations- und Selbsterfahrungsgruppen gehörten ebenso zu meinem Angebot.
Von oben: Osho - Kommune Parimal und das Seminarhaus Haus Gut Hübenthal - Meine Visitkarte - Max und ich in Goa - White Robe Brotherhood - Impressionen aus Selbsterfahrungsseminaren - Portrait aus Poona Zeiten
Kazaya - Interieurs aus Japan
Rückkehr nach Australien geplant
Trotz meiner spirituellen Arbeit in Indien blieb der Wunsch, in Australien zu leben, präsent – vor allem, weil die Daueraufenthaltsgenehmigung fast fix war. Mein Plan: Nach mehreren Monaten in Poona nach Melbourne fliegen und vor Ort alles klären.
Allerdings nagten die hohen Flugkosten und Ausgaben an meinen Finanzen. Ich brauchte dringend eine neue Einnahmequelle. Nebenbei war ich in ein Multilevel-Marketing-Konzept namens „Vanilla“ involviert, geleitet von einem Herrn Deubelbeiss, das Jahre später scheiterte. Ziel war, mit „American Golden Eagle“ Goldmünzen Reichtum und Freiheit zu verkaufen. In Deutschland gelang es einigermaßen, international jedoch nicht.
Spirituelle Impulse und Visionen
Ich nahm weiterhin an zahlreichen Gruppen teil, Themen waren Kindheitsaufarbeitung, Fülle, Schattenarbeit, Wut und Trauer sowie Glückseligkeit. In einer Gruppe entstand der tiefe Wunsch, ein umfangreiches Buch mit Fotos zu veröffentlichen. Die Gruppenleiterin riet, dies intensiv zu visualisieren und loszulassen – Jahre später verwirklichte sich dieser Traum.
In Poona stand alles im Zeichen von Meditation und Erwachen, begleitet von stundenlangen Unterweisungen des Meisters. Besonders eindrücklich war eine zweiwöchige Intensivgruppe: „Enlightenment Intensiv“, deren Ziel eine unmittelbare Seins-Erfahrung war. Am letzten Tag spürte ich eine Art Verschmelzung mit dem universellen Wesen des Daseins – ein Zustand, den der Zen als Satori beschreibt, schwer zu erklären und unvergesslich.
Verbindung zu Kazari-Melbourne
Im Ashram begegnete ich Yashu Jo Maindonald, einer Frau aus Melbourne, die mit ihrem Mann das japanische Einrichtungshaus „Kazari“ betrieb. Wir vereinbarten einen Besuch, sobald ich in Melbourne ankommen würde.
Zurück in Melbourne wurde schnell klar: Ich hatte keine Ahnung, wie ich meinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Digitale Fotografie war inzwischen Standard – ein Gebiet, das für mich nicht infrage kam. Mit den Inhabern von Kazari entstand die Idee, japanische Antiquitäten nach Deutschland zu importieren, zu restaurieren und zu verkaufen – ein konkurrenzloses Konzept.
Gesagt, getan: Ich flog zurück nach Deutschland, brachte Musterstücke mit, organisierte Geschäftspartner, Geld und einen riesigen Container mit Möbeln aus Kyoto. Lagerräume und Werkstätten fand ich im Umfeld von Parimal, mein Wunsch, ins Schloss Berlepsch zu ziehen, erfüllte sich. Ein Schauraum entstand dort sowie ein weiterer in Hildesheim, inklusive Veranstaltungen zum Thema Zen und Meditation.
Von oben: Der erste von mehreren Containern aus Japan wird vor unserer Werkstatt entleert - Das Schloss Berlepsch bei Witzenhausen - Aus einem unserer Werbeprospekte - Ich mit den Antiquitäten auf der Möbelmesse in Köln - Ein Artikel aus "Schöner Wohnen", er hatte eine ziemlich hohe Resonanz - Die beiden Geschäftspartner der Firma Kazaya in guten Zeiten - Eines der Fotos auf unserer damaligen Homepage - Ein Artikel über unseren Schauraum in Hildesheim
Aufbau und Wandel des Geschäfts
Bei meiner Rückkehr aus Indien und Australien hatte ich keine finanziellen Reserven – ich musste mir sogar 100 Mark leihen, um Geschäftspartner zu kontaktieren. Etwa ein halbes Jahr später änderte sich alles: Die ersten restaurierten Stücke wurden an Luxusmöbelhäuser verkauft. Dank Echtheitszertifikaten und exklusivem Angebot konnte unser Geschäft glänzen.
Wir reisten viel, besuchten Messen und waren in den Medien präsent. Der Umsatz wuchs, weitere Container wurden bestellt. Privat bereicherte Salena mein Leben; bald kam unser Sohn Joshua zur Welt. Das Leben am Schlossberg erschien zunehmend zu abgeschieden, wir zogen in die Innenstadt Göttingens und eröffneten dort einen kleinen Laden für Mode und japanische Möbel.
Konflikte mit meinem Geschäftspartner führten zu Missgunst, Streit und schließlich Abverkauf. Fast zeitgleich überschwemmten chinesische Kopien den Markt – günstiger und akzeptabel. Wir verließen Göttingen in Richtung Umgebung von Düsseldorf und lebten als kleine Familie auf dem Land. Die Australien-Pläne lösten sich auf: Suzanne wollte die Scheidung, ihr Wunsch nach einem Millionär erfüllte sich. Für mich hieß das: Adieu Luxus, willkommen Normalität.
Salena und ich in unserer Wohnungen auf Schloss Berlepsch - Werbekarte für unseren Gaudeum-Shop in Göttingen - Glückliche Familientage mit Salena und unserem Baby Joshua
Neue Wege und neue Selbständigkeit
Die Restbestände übernahmen Freunde, während ich Arbeit in einer Werbemittelagentur eines Freundes auf Werkvertrag-Basis fand. Anfangs war mir das Verkaufen fremd und peinlich, doch schnell lernte ich alle Kniffe und Tricks und wurde erfolgreich, besonders im Verkauf von individuell bedruckten Werbestreichhölzern an gehobene Gastronomie.
Der Einkommensfluss stabilisierte sich, und ich konnte mich selbständig machen. Gleichzeitig entstand der Wunsch, Salena zu heiraten und mit Joshua in eine Gemeinschaft zurückzukehren, ähnlich dem Parimal. Zurück in Österreich nahm ich wieder meinen Geburtsnamen an: Gerhard Friedrich Kunz.
Schnell brauchte ich einen Job und begann bei der „Bezirksinformation“, einer Regionalzeitung. Der Job war anstrengend, schlecht bezahlt und ohne Sozialleistungen, doch er verschaffte mir erste Erfahrungen im Verkauf in Österreich.
An einem Wochenende entdeckte ich ein Zeitungsinserat: „Der deutsche Umschau Verlag sucht freie Fotografen, Autoren und Redakteure.“ Ich schrieb kurz und knapp, bevorzugte ein persönliches Gespräch und schickte meine Bewerbung ab – und ließ es ruhen.
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