Ruhestand & Garten der Generationen
Ankommen im Wandel - Langsam gehe ich auf die 70 zu – kaum zu glauben. Der Ruhestand hat in meinem Leben Einzug gehalten, nicht zuletzt beschleunigt durch die Maßnahmen rund um Corona. Vieles hat sich dadurch verändert: Das gesellschaftliche Leben wurde zurückgefahren, Begegnungen wurden seltener – das Leben wurde stiller. In dieser Phase der Entschleunigung entdeckte ich den Garten der Generationen. Seit September 2022 begann für mich dort ein neuer Lebensabschnitt – in Gemeinschaft.
Sitting silently, doing nothing
Ein neuer Lebensrhythmus
Mit 65 konnte ich meine Rente/Pension beantragen. Da sie jedoch unter dem Mindeststandard liegt, wird sie staatlich aufgestockt. Durch meine Arbeit bei der Tips-Zeitung war ich zuvor finanziell gut aufgestellt. Doch Corona änderte vieles: Erst Kurzarbeit, dann wurde die Regionalausgabe eingestellt, für die ich tätig war. Seither lebe ich von meinem Alterseinkommen – und das funktioniert erstaunlich gut. Jeden Monatsersten kommt das Geld wie von selbst. Welch ein Frieden.
Die Umstellung war dennoch nicht einfach. Früher hatte ich fünf Termine am Tag, jetzt sind es vielleicht fünf pro Woche. Zwei Wochenenden im Monat verbringe ich mit meinem jüngsten Sohn Tamino, der manchmal auch länger bleibt. Seit meine Lebenspartnerin Sophie nach München gezogen ist, wohne ich allein – und finde zunehmend Gefallen an dieser Ruhe.
Meine Nachbarinnen auf dem Grundstück sind in sozialen Projekten aktiv – mit Geflüchteten, in der Gemeinde oder im Garten. Wir teilen ein Auto, unterstützen uns gegenseitig. Unsere Wohnsituation ist ein Glücksfall. Mein Freundeskreis hingegen hat sich durch Corona verändert – mehr Distanz als Nähe. Das soziale Gefüge wirkt brüchiger. Und doch: Mein Single-Dasein genieße ich inzwischen mit all seinen Freiräumen sehr.
Gedanken zur Zeit
Was mich nachdenklich stimmt, ist der gesellschaftliche Umgang mit Kritik. Wer Fragen zu den staatlichen Maßnahmen stellte, wurde schnell in eine Ecke gestellt – als „Verschwörungstheoretiker“ oder schlimmer. Das erinnert mich an meine Zeit in Berlin, als Kritiker der Regierung pauschal als linksextrem abgetan wurden – inklusive Berufsverboten und Terrorismusverdächtigungen (RAF).
Natürlich gibt es absurde Theorien. Aber mit ein wenig Intelligenz und Medienkompetenz lässt sich schnell unterscheiden, was haltlos ist – und was alternative Sichtweise. Ich finde, auch diese verdienen Raum, geprüft zu werden, nicht abgewürgt.
Ich war immer offen für alternative Heilmethoden. Umso schwerer fällt es mir, dass heute fast nur noch schulmedizinische Sichtweisen gelten. Die Homöopathie etwa war früher eine etablierte Methode – selbst in großen Krankenhäusern. Heute wird sie als Placebo belächelt. Die Pharmaindustrie hat ganze Arbeit geleistet, unterstützt von einem Bildungsbürgertum, das kritiklos der evidenzbasierten Medizin folgt. Und kaum eine Branche betreibt so langfristiges Marketing wie die Pharmaindustrie – Impfkampagnen inklusive.
Ich verstehe, dass Menschen Ängste haben. Der Historiker Daniele Ganser spricht von drei dominanten Corona-Ängsten:
Angst vor Ansteckung und Tod. Angst vor wirtschaftlichem Ruin und Angst vor autoritären Maßnahmen.
Diese Ängste sind real und individuell verschieden – so wie die Angst vor Spinnen. Ein „Du brauchst doch keine Angst zu haben“ hilft niemandem. Entscheidend ist, wie wir – individuell und als Gesellschaft – damit umgehen. Vielleicht liegt darin auch eine Chance.
Spring comes & the grass grows by itself
Ein neues Zuhause: Der Garten der Generationen
Mitten im pandemischen Stillstand lernte ich durch eine Verkettung glücklicher Zufälle den Garten der Generationen in Herzogenburg kennen – ein Gemeinschaftsprojekt, das genau zur richtigen Zeit in mein Leben trat. In dieser Phase der Rückbesinnung wurde in mir wieder der Wunsch wach, in lebendiger Gemeinschaft zu leben – nicht mehr isoliert in einer kleinen Wohnung mit ein paar Nachbarn und einem Mini-Garten.
Ich habe größere Visionen. Aus meinen früheren Erfahrungen im Parimal und am Friedrichshof weiß ich, wie kraftvoll Gemeinschaft sein kann. Nach einem Kennenlerntreffen und einer halbjährigen Aufnahmephase wurde ich Teil dieser Gemeinschaft. Baubeginn war im Januar 2020, der Einzug war für September 2022 geplant – auf diesen Moment freute ich mich lange.
"It all falls into place", sagt man auf Englisch. Es fügt sich. So wie der Frühling kommt und das Gras wächst – ohne unser Zutun. Rückblickend bin ich dankbar für die Vielfalt meines Lebens. Vieles kam, vieles ging. Heraklit hat es auf den Punkt gebracht: „Die einzige Konstante im Leben ist der Wandel.“
Alte Träume, neue Wege
Als Kind liebte ich ein Spiel mit einer Weltkarte und kleinen Schiffen, mit denen man über die Kontinente zog und Handel betrieb. Dieses Spiel ließ mich träumen – von Reisen, von der großen Welt. Vielleicht war das der Auslöser für meine spätere Reiselust. Heute habe ich das Gefühl, in einem lebendigen „Hafen“ angekommen zu sein – in einem Garten, dem der Generationen.
Gruppenfoto Herbst 2021 - Masterplan des Grundstücks (inzwischen an manchen Stellen abgeändert) - Zeichnung der ersten beiden Wohngebäude und des Gemeinschaftshauses
It all falls into place
Eine lebendige Vision
Der Initiator des Projekts Markus Distelberger brachte mit dem „Vermögenspool“ eine kreative Finanzidee ein. Ihm begegnete ich schon früher, als Sophie und ich überlegten, das Seminarhaus „Wurzelhof“ zu übernehmen. Damals verstand ich das Prinzip kaum – heute arbeite ich im Marketingteam dafür mit.
Auch Ronald Wytek, den ich aus früheren Projekten kannte, ist wieder mit dabei. Damals scheiterten unsere Cohousing-Projekte – heute gestalten wir gemeinsam das neue. Ich freue mich, meine Leidenschaft für Fotografie, Kunst, Schreiben und Öffentlichkeitsarbeit wieder einbringen zu können. Lebenswege kreuzen sich erneut – und erste Freundschaften entstehen.
Der Garten der Generationen ist nach soziokratischen Prinzipien aufgebaut, mit Kreisen wie dem Gartenkreis, Kulturkreis oder dem Lebens- und Lernort-Kreis. Letzterer fasziniert mich besonders – hier gibt es noch viel zu entdecken. Neben dem kleinen Gemeinschaftshaus wird ein großes Haus mit Seminarraum, Küche und Speisesaal entstehen. Noch leben wir alle in räumlicher Distanz – bald werden wir Nachbarn sein. Ich freue mich darauf.
Impressionen von der Baustelle - Seminar im kleinen Gemeinschaftshaus innen - das Haus von außen - die vermummte Spatenstichfeier - Tamino ist auch mit dabei im blauen Hoddie
Garten und Gemeinschaft wird gestaltet, die Gebäude wachsen
Die Entwicklung vor Ort ist beeindruckend. Die Gebäude nehmen Form an, ich konnte meine Wohnung immer wieder im Rohbau besuchen. Badeteiche, Ruhezonen, Kinderbereiche, ein Amphitheater – all das wächst Stück für Stück. Ein Tipi steht schon, der Gemüsegarten bleibt unser ruhender Pol.
Luftaufnahmen der Baustelle Anfang 2022
Gemeinschaft erleben
Einmal im Monat kommen wir zur Vereinsversammlung zusammen. Auch unsere Arbeitskreise treffen sich regelmäßig.
Durch die soziokratische Struktur wachsen wir nicht nur organisatorisch, sondern auch als Gemeinschaft.
Feiern gehören natürlich dazu: Gleichenfeier, Rohbaufest, Erntedank – oft begleitet von Musik unseres Kulturkreises. Highlights für unser Miteinander waren auch das Oster- und Sommercamp.
Stimmungen aus 2021 und 2022
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