Midlife Break

Ich bewegte mich auf die 40 Lebensjahre zu, "Midlife" sozusagen "Midlife Break" - also eine Pause, auch Breakdowns aller Art, vielleicht auch eine Krise, Midlife Crisis? Jedenfalls ging mit dem Australien Traum auch unsere Künstlerehe zu Ende, das ehemalige Künstlerleben wich der eher künstlerischen Fotografie. Es begann für mich eine Phase der Neuorientierung und des Suchens in alle Richtungen.

Woher?

Rückkehr nach Deutschland

Der Flug war wieder ewig lang – vierundzwanzig Stunden mit Zwischenlandungen. Als wir Europa überflogen, wirkte alles so dicht und geordnet, fast wie ein riesiger Schrebergarten. Keine Weite, wenig Natur im Vergleich zu Australien, wo der Mensch nur eine Randerscheinung ist.

Wir landeten in Amsterdam und verbrachten dort ein paar Tage, bevor es zurück nach Deutschland ging. Der Kulturschock war immens: die Enge, die vielen Menschen überall – alles erschreckend. Ich selbst fühlte mich, als stünde mein Leben in Melbourne plötzlich auf Null. Ein tiefer Schmerz überlagerte alles: Unser Sohn Max sprach fast kein Deutsch mehr, und unsere Zukunft in Australien schien verloren. Mit der Zeit zeigte sich, dass Kinder offenbar leichter mit solchen Brüchen umgehen können – ihr Sein liegt stärker in der Gegenwart als das der Erwachsenen. Glücklicherweise pflege ich heute ein sehr gutes Verhältnis zu Max, der wie seine Mutter in Hamburg lebt.

Beruflicher Neubeginn

Nach kurzer Zeit in der Provinz Solingen endete unsere Ehe. Ich zog nach Wuppertal, arbeitete als freier Fotograf und tauchte tief in die Welt der Großformatfotografie ein. Viele Aufträge kamen aus der Industrie: Ich fotografierte technische Anlagen und Produkte, unter anderem für ThyssenKrupp und die Karl Deutsch Werke.

Parallel schrieb ich mich für den Fotografen-Meisterkurs in Düsseldorf ein und wurde wegen meiner langjährigen Praxiserfahrung zugelassen. In Wuppertal präsentierte ich in einer Ausstellung künstlerische Arbeiten, in Bochum leitete ich an der Universität einen Kurs für Modefotografie.

Spirituelle Entdeckungen

Gleichzeitig erwachte mein Interesse an „Human Potential“-Seminaren und Literatur. Mein wichtigster Lehrer war Stuart Wilde, bei dem ich mehrere intensive Seminare in Dänemark und Las Vegas besuchte. Ich tauchte ein in Meditationen, Schwitzhütten, Feuerlauf, Bungee Jumping und sogar in die esoterische Seite des Black Jack.

Die Sehnsucht nach Australien blieb präsent. Vielleicht könnte ich eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung durch Heirat einer guten Freundin, Suzanne, erhalten?

 

Von oben: Bungee-Jump zum 40.Geburtstag - Feuerlauf-Seminar - Fachzeitschrift Titelseitenfoto - Selbstportrait mit meiner Kamera Mamiya RZ 6x7cm - Abseilen vom Schlossturm beim Stuart Wilde Seminar -  Mit Stuart bei seinem Black Jack Seminar in den USA - Das Freundes- und "pro forma" Ehepaar Pascoe

 

Meisterprüfung und Rückkehr nach Australien

Die Meisterprüfung in Fotografie absolvierte ich in Düsseldorf – die Theorie fiel mir schwer, in der Praxis konnte ich jedoch punkten. Diese Anerkennung war mir persönlich wichtig, auch wenn sie beruflich kaum Einfluss hatte. Gleichzeitig qualifizierte sie mich als Hausfotograf bei Karl Deutsch in Wuppertal. Der gut dotierte Werkvertrag erleichterte die Finanzierung meiner Seminare und Reisen.

Das Australien-Projekt gewann an Dringlichkeit: Eine Freundin war bereit für eine „pro forma“-Ehe. Nach rechtlicher Klärung durch einen Anwalt konnte ich beruhigt zurückkehren, ohne Risiken durch offene Verträge. Drei Jahre nach unserer Abreise landete ich wieder in Melbourne.

Die Rückkehr war aufregend: vertraute Orte, mein ehemaliges Haus, das Studio, gute Freunde. Ich beschäftigte mich mit künstlerischer erotischer Fotografie, die in einer Galerie erfolgreich präsentiert wurde. Nach der Hochzeit beantragte ich die „Permanent Residency“. Die zweijährige Wartezeit verbrachte ich erneut in Deutschland, nun mit neuem Namen: Gerard Pascoe, nach meiner Ehefrau Suzanne.

 

 

 

Im australischen Buschmantel - Der Fotograf und sein Model - Beispiele einer umfangreichen erotischen Fotoserie

Mit Angelina aus San Francisco hatte ich eine kurze Fernbeziehung und verbrachte fast ein halbes Jahr in Kalifornien - Bei einem Aufenthalt in Paris -  Selbstportrait

Wohin?

Suche nach Ruhe und Inspiration

Der Flug vom deutschen Sommer in Australien war anstrengend. Ich wollte irgendwohin, ohne genau zu wissen wohin: zur Ruhe kommen, aber nicht zu eintönig. Einige Wochen verbrachte ich in Irland, einige Monate in San Francisco bei Freundinnen, um Land und Leute kennenzulernen.

In Australien hatte die Digitalfotografie schon Fuß gefasst – ein Bereich, in dem ich keinerlei Erfahrung hatte. Mit Kunst und kommerzieller Fotografie war ich in Wuppertal zwar finanziell gut aufgestellt, doch der Lebensmittelpunkt blieb Deutschland. Abends bewegten wir uns in der Szene des Luisenviertels, besonders im legendären „Café du Congo“, Treffpunkt der Tänzerinnen und Tänzer von Pina Bausch.

Begegnung mit Supernova

Eines Tages, auf dem Weg zum Fotolabor, fiel mir ein Schild auf: Supernova – Seminare, Meditation und „Meer“. Genau das, was ich suchte: Meditation! Dank Stuart Wilde war ich bereits vertraut mit geführten Meditationen, vor allem einer, die um vier Uhr morgens für fünfzehn Minuten durchgeführt werden musste.

Offen für Neues, beschloss ich, einen Termin bei Supernova wahrzunehmen. Schnell wurde ich Teil des Zentrums, das sich als Osho-Meditationscenter entpuppte. Begeistert stürzte ich mich in Rebirthing- und Encountergruppen, Selbsterfahrung und alle Formen der Meditation. Ich schien angekommen zu sein, ohne es bewusst gesucht zu haben – ganz im Sinne der indischen Tradition: „Der Meister findet den Schüler.“

Mit der Zeit wurde die stille Freude tiefer Meditation ein vertrauter und wesentlicher Teil meines Lebens.


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