Indien Reise 2026
Inspiriert von meiner Lebens-Weggefährtin Sabine entstand die Idee nach Indien zu reisen. Ich war ja früher einige Male im Norden, in Poona und Goa, aber noch nie woanders. Auroville und diese ganz besondere und recht große Gemeinschaft von der ich immer wieder gehört habe und der Ort, an dem Ramana wirkte, erschien mir sehr verlockend.
Warum eine Reise nach Indien?
Nach vielen Erzählungen von meiner Lebensweg-Gefährtin Sabine, die bereits in den Jahren zuvor in Indien gewesen war, begann in mir erneut etwas zu glühen – eine alte, nie ganz erloschene Liebe. Erinnerungen tauchten auf: meine Zeit in Poona, und immer wieder kleine Ausflüge nach und verweilen in Goa. Und dann die leise, verlockende Stimme des Neuen: Südindien, Auroville, Tiruvannamalai.
Auroville – ein Ort, von dem ich oft gelesen, von dem ich viel gehört hatte. Freunde waren dort gewesen, manche sind sogar für längere Zeit geblieben. Bilder formten sich in mir: eine große Gemeinschaft, die Vision von Sri Aurobindo und der "Mutter", die geheimnisvolle goldene Kugel im Zentrum, neue Formen des Lebens und Wirtschaftens, eine Spiritualität ohne enge Grenzen.
Und dann Ramana Maharshi, in Tiruvannamalai - seine stille Präsenz in Liedern und Büchern, die kraftvolle, schlichte Frage: „Who am I?“ – später von Osho weitergeführt zu „Who is in?“. Und schließlich Arunachala, der heilige Berg. Es fühlte sich an wie ein Ruf. Also: nichts wie hin.
Schon bei unsererAnkunft in Chennai wurde mir bewusst, wie sehr sich Indien verändert hat. Alles wirkte moderner, strukturierter. Die alten Ambassador-Taxis und Alamy-Fahrzeuge waren verschwunden, stattdessen westliche Autos, unzählige Motorroller – und auffallend viele Frauen, die ganz selbstverständlich selbst fahren. Neue Rickshaws, die TucTuc's - ein pulsierender Verkehr, ein anderes Bild als in meiner Erinnerung.
Auf dem Weg nach Auroville reihten sich moderne Wohnanlagen aneinander, Zeugnisse eines wachsenden Wohlstands. In einem Restaurant, in dem wir eine Pause einlegten, saßen viele indische Familien – und doch blieb manches vertraut: gegessen wurde mit den Fingern, mit einer Selbstverständlichkeit und Sinnlichkeit, die mich berührte.
Auroville selbst empfing mich wie eine Oase. Üppiges Grün, saubere Wege, eine fast stille Weite. Und vor allem: die Menschen – offen, direkt, herzlich in einer ganz natürlichen Weise. Schnell wurde mir klar: Diese Reise war die richtige Entscheidung. Doch hinter der sichtbaren Harmonie zeigten sich auch andere Ebenen. Schon bald hörte ich von internen Konflikten innerhalb der Gemeinschaft. Sabine kannte diese Themen bereits und engagierte sich aus der Ferne für Lösungen. Immer wieder ging es – direkt oder subtil – um Macht und ihren Missbrauch. Es berührte mich zu sehen, dass selbst spirituelle Gemeinschaften nicht frei davon sind. Vielleicht ist genau das Teil unseres Menschseins: die Einladung, weiter zu wachsen, bewusster zu werden, eines Tages wirklich miteinander zu leben – ohne Drama, in Leichtigkeit und Freude.
Ein Ort, der mich besonders tief berührt hat, war das Matrimandir – die goldene Kugel im Herzen Aurovilles. Eine spürbare, unmittelbare Ausrichtung auf das Innere, frei von Dogma, frei von überflüssigem Ritual. Anfangs erschien mir der Zugang streng, fast abschreckend. Doch als ich schließlich eintreten durfte, wurde mir klar, warum: Diese Stille, diese Reinheit des Erlebens braucht Schutz. Hier entsteht ein Raum, in dem man wirklich ankommen kann. Auroville hinterließ in mir vor allem eines: den Wunsch nach mehr. Die Vorstellung, hier einmal länger zu verweilen – vielleicht zwei oder drei Wintermonate – begann leise Gestalt anzunehmen. Und tatsächlich: Es scheint möglich.
Motorrad Royal Enfield, immer noch da
Ein kleiner Schrein mit Swastika
Einer der zahlreichen Minishops
Weiter ging unsere Reise nach Tiruvannamalai – „Tiru“, wie es liebevoll genannt wird. Eine Stadt, durchzogen von Ashrams, von Geschichten Erwachter, von einer besonderen Dichte spiritueller Suche. Schon bald mieteten wir uns einen Motorroller, und nach anfänglichem Zögern fand ich mich überraschend gut im lebendigen Verkehr zurecht. Mehr noch: Es machte Freude, eine fast kindliche, freie Freude.
Der Ramana Ashram trägt zweifellos eine starke energetische Präsenz in sich. Für mich wurde sie jedoch überlagert von den vielen Menschen, die täglich dorthin strömen. Und doch – Ramana ist überall spürbar. In Bildern, in stillen Ecken, in der Atmosphäre selbst.
Eine besonders intensive Begegnung war für mich die mit Ganga Ma. Auch sie steht in Verbindung zu Ramana und Arunachala. Es war ein wenig wie ein Déjà-vu: Ich, zusammen mit Menschen, die sich lange vor Einlass anstellen, in der Hoffnung auf einen Platz – nah oder zumindest am Rand. Beim ersten Mal ging ich wieder, ohne den „richtigen“ Platz gefunden zu haben. Doch auf dem Rückweg sah ich sie im Innenhof, umgeben von einigen Devotees. Ihre Ausstrahlung war offen, weich, liebevoll – ein stilles Leuchten. Am nächsten Tag gelang es mir, dabei zu sein. Und ich musste schmunzeln bei dem Gedanken: Wenn sie in die Augen der Menschen blickt, sieht sie vielleicht genau das, was bereits da ist – das Erwachte in jedem Einzelnen. All die Fragen, all die Sorgen erscheinen aus dieser Perspektive fast wie Schleier, die sich jederzeit lüften ließen. Und dann bliebe nur noch eines: gemeinsam erlebte Stille.
Indien ist für mich ein zutiefst lebendiger, widersprüchlicher, wunderbarer Ort. Ein Land, das berührt, herausfordert und erinnert – an etwas, das jenseits von Worten liegt.
Auroville, die „Stadt der Morgenröte“
Auroville ist ein außergewöhnlicher Ort im Süden Indiens – ein Experiment, eine Vision und zugleich gelebte Realität. Etwa 150 Kilometer südlich von Chennai und nur wenige Kilometer von der Küstenstadt Puducherry entfernt, liegt diese internationale Gemeinschaft eingebettet in die Landschaft Tamil Nadus. Rund 3.300 Menschen aus über 60 Nationen leben hier zusammen – vereint durch eine gemeinsame Idee.
Gegründet wurde Auroville im Jahr 1968 von Mirra Alfassa, bekannt als „Die Mutter“, in Zusammenarbeit mit dem Architekten Roger Anger. Von Beginn an wurde das Projekt von der indischen Regierung und der UNESCO unterstützt. Doch Auroville ist weit mehr als nur eine Stadt – es ist der Versuch, eine neue Form des Zusammenlebens zu verwirklichen.
Die zentrale Vision Aurovilles ist die Einheit der Menschheit. Hier sollen Menschen unabhängig von Nationalität, Religion oder politischen Überzeugungen in Frieden und bewusster Harmonie miteinander leben. Auroville versteht sich als ein Ort, der keiner Nation gehört, sondern der gesamten Menschheit – ein Raum, in dem Menschen als Weltbürger zusammenkommen und sich an einer höheren Wahrheit orientieren.
Im Herzen der Stadt befindet sich das Matrimandir – ein stiller, kraftvoller Ort der Konzentration, der als „Seele Aurovilles“ gilt. Umgeben von einer weitläufigen Friedenszone und einem See, bildet es das Zentrum einer Stadt, die für bis zu 50.000 Einwohner geplant ist. Von hier aus erstrecken sich vier große Zonen – eine internationale, eine kulturelle, eine Wohn- und eine Industriezone – eingebettet in einen grünen Gürtel aus Wäldern, Feldern und Naturreservaten.
1) Das Matrimandir - die „Seele der Stadt“
2) Savitri Bhavan - Spiritual Education
3) Vérité - Integral Learning & Yoga Center
1) Ein Haus im Revelation Forest
2) "Thali of the Day" - Solitude Farm und Cafe
3) Kalpana Wohnanlage & Guest House
Das Leben in Auroville basiert auf einer tiefen spirituellen Grundlage, die von Sri Aurobindo und seinen Lehren inspiriert ist. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines neuen Bewusstseins und einer neuen Form des menschlichen Miteinanders. Dabei geht es nicht um Religion im klassischen Sinne – im Gegenteil: Religionen werden zwar respektiert, aber nicht aktiv gelebt, da sie als mögliche Quelle von Trennung gesehen werden. Stattdessen wird jeder Einzelne dazu eingeladen, seinen eigenen spirituellen Weg zu gehen.
Auch in der Organisation unterscheidet sich Auroville von herkömmlichen Städten. Es gibt keine starren Hierarchien, sondern eine Form der Selbstverwaltung, die auf Zusammenarbeit und Konsens beruht. Entscheidungen werden gemeinschaftlich getroffen, Verantwortung wird geteilt. Eigentum im klassischen Sinn existiert nicht – Land und Gebäude gehören der Stiftung Auroville, die Bewohner nutzen und verwalten sie im Sinne der Gemeinschaft.
Das Leben hier erfordert Offenheit und die Bereitschaft zur inneren Entwicklung. Ein Aurovilianer strebt danach, sich selbst jenseits von äußeren Prägungen zu erkennen, das eigene Ego zu überwinden und bewusst zum Wohl der Gemeinschaft beizutragen. Arbeit ist dabei nicht nur Mittel zum Lebensunterhalt, sondern ein Ausdruck des eigenen Seins und ein Beitrag zum Ganzen.
Auroville ist ein Ort, an dem neue Formen von Bildung, Zusammenleben und gesellschaftlicher Organisation erprobt werden. Konkurrenz wird durch Zusammenarbeit ersetzt, materieller Besitz verliert an Bedeutung, und persönliches Wachstum steht im Mittelpunkt. Es ist ein lebendiges Experiment – unvollkommen, im Wandel, aber getragen von einer kraftvollen Idee:
Die Vision einer Welt, in der Menschen in echter Einheit, Freiheit und Bewusstheit miteinander leben.
Es war für uns eine Freude hier etwa zwei Wochen zu verbringen und einige spannende Besucher und Bewohner kennnen zu lernen.
1) Heilig und geschmückt zum Pongal Fest
2) Gut unterwegs mit dem Familien-Motorrrad
3) Teenager und ihre Handys
Tiruvannamalai, wo die Stille wohnt und der Berg ruft
Tiruvannamalai ist weit mehr als eine Stadt in Tamil Nadu – sie ist ein kraftvolles Energiefeld, das Menschen aus aller Welt magisch anzieht. Hier, im heißen Herzen Südindiens, verschmelzen jahrtausendealte Traditionen mit der modernen Suche nach innerem Frieden. Es ist ein Ort, an dem die Zeit langsamer zu laufen scheint und jeder Schritt eine spirituelle Bedeutung bekommen kann.
Über der Stadt thront majestätisch der heilige Berg Arunachala. Für die Einheimischen und Pilger ist er nicht bloß ein Berg aus Gestein, sondern die physische Manifestation von Gott Shiva selbst – ein Leuchtfeuer der Stille.
Besonders in Vollmondnächten begeben sich tausende Menschen auf die 14 Kilometer lange Barfuß-Umrundung des Berges. Es ist ein meditativer Marsch, das Ritual des Girivalam, vorbei an heiligen Schreinen und kleinen Lingams, getragen von einer kollektiven Energie der Hingabe.
Hoch oben an den Hängen des Berges verbergen sich die Höhlen der Stille, die Virupaksha-Höhle und Skandashramam. Hier lebte und meditierte der Weise Ramana Maharshi jahrelang. Wer diese Höhlen betritt, spürt oft eine unmittelbare, tiefe Ruhe, die jenseits von Worten liegt.
Am Fuße des Berges liegt der Ramana Ashram, ein Hafen für die Seele und das spirituelle Zentrum der Stadt. Es ist die ehemaligen Wirkungsstätte von Sri Ramana Maharshi, der die Lehre der Selbsterforschung - „Wer bin ich?“ - weltberühmt machte.
Im Ashram herrscht eine ganz besondere Disziplin: die der Stille. Besucher sitzen stundenlang in der Meditationshalle, lauschen dem Gesang der Veden oder beobachten die Pfauen, die friedlich durch die Gärten stolzieren. Es ist ein Ort, der keine großen Erklärungen braucht – die Präsenz des Meisters ist in jedem Winkel spürbar.
Wir verbrachten hier etwa zehn Tage und neben allem Spirituellen und Kulinarischem machte mir das Fahren mit dem Motorroller sehr großen Spass im indischen Verkehrsgetümmel - Tüüüüt, tüüüüt.
1) Eingang zum Ramana Ashram
2) Arunachala von Kavin's Café aus gesehen
3) Ramana ist überall dabei
1) Shanti Café
2) Samudiram Eri (See)
3) Viele Gurus treffen sich "bildlich" im Café
In Tiruvannamalai gibt es Mosaik aus Ashrams und Begegnungen. Die Stadt beherbergt eine unglaubliche Dichte an spirituellen Zentren. Die Stadt ist ein Treffpunkt für „spirituelle Nomaden“, Sadhus in orangefarbenen Gewändern und Wahrheitssuchende und spirutuelle Touristen aus dem Westen, was eine einzigartige, weltoffene Atmosphäre schafft.
Ganga Maa Ashram und das höchste Selbst. Menschen aus verschiedenen Orten, Lebenswegen, Anhänger von unterschiedlichen Gurus und spirituellen Lehrern kommen an diesem Ort bei ihren täglichen Satsangs zusammen. Aus ihrer Sicht gibt es keine Unterschiede. Alle werden als eins gesehen. Jeder, der zu diesem Satsang kommt, wurde allein durch Gnade hierher geführt. Freiheit ist die Grundlage des Satsangs.
Ganga Maa betrachtet sich selbst nicht als Guru, noch sieht sie irgendjemanden als ihren Anhänger oder Schüler. Für sie sind alle Anhänger und Schüler von Arunachala und Sri Ramana und sie kennt nur den einen höchsten Meister – das höchste Selbst, das alles und jeden durchdringt.
Nach der Stille der Meditation wartet das pulsierende Leben. Tiruvannamalai, - zwischen Tempelruhm und Café-Kultur - hat sich perfekt auf seine internationalen Gäste eingestellt: Aufgrund des hohen Anteils an Touristen hat sich eine vielfältige kulinarische Szene entwickelt, die von traditioneller tamilischer Küche bis zu westlichen Cafés reicht. In verwinkelten Gassen findet man charmante Dachterrassen-Cafés wie das Dreaming Tree, das Inner Child oder das Tasty Cafe. Hier trifft man sich bei einem Cappuccino oder einem Smoothie, um über allerlei Erkenntnisse zu philosophieren. Südindische Seele: Wer es authentisch mag, genießt ein klassisches Masala Dosa in den lokalen Garküchen rund um den gewaltigen Annamalaiyar-Tempel, einem der größten Tempelkomplexe Indiens, dessen Türme (Gopurams) weit über die Dächer der Stadt ragen.
Tiruvannamalai ist kein Ort für herkömmliches Sightseeing. Es ist ein Ort für eine Reise nach innen – begleitet vom ewigen Blick des Arunachala.
1) Arunachal - Manifestation des Gottes Shiva
2) Hotelzimmer mit goldener Wand
3) Ramana Laundry Service
Mamallapuram - Küstentempel am Meer
Mamallapuram – auch Mahabalipuram genannt – ist ein stiller Küstenort im südindischen Tamil Nadu, wo Geschichte in Stein weiterlebt. Einst Hafen des mächtigen Pallava-Reich, erzählt der Ort noch heute von einer Blütezeit zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert.
Am Rand des Golfs von Bengalen, unweit von Chennai, verschmelzen warme Meeresluft, tropischer Regen und jahrhundertealte Kunst. Tempel, aus Fels gehauen und vom Wind gezeichnet, formen ein einzigartiges Ensemble.
Im Herzen dieser Landschaft steht der Küstentempel, dem Gott Shiva geweiht – ein steinernes Gebet, das seit über tausend Jahren den Wellen trotzt. Einst Teil eines sagenumwobenen Tempelbandes entlang der Küste, ist er heute ein Symbol für Vergänglichkeit und Beständigkeit zugleich.
Mamallapuram lebt vom Rhythmus seiner Besucher, vom Klang der Meißel der Steinmetze und vom Atem des Meeres. Vergangenheit und Gegenwart berühren sich hier – leise, zeitlos, und von seltener Schönheit.
Wir beendeten hier unsere Reise und genossen drei Tage Meeresluft und die uralte Kultur.
1) Wieder auferstanden nach dem Tsunami
2) Von Menschen gemacht und bestaunt
3) Ein Fels in der Wandlung
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